Eigenbau NAS: Die Komponenten und das Gehäuse

Gehäuse fürs Eigenbau NAS: Fractal Design Node 304Ein Eigenbau NAS ist eine großartige Sache. Nachdem meine externe Festplatte versagte, sah ich es als guter Nerd an der Zeit, mir etwas Neues zu überlegen. Möglichst groß sollte die Kapazität, möglichst redundant (= “ausfallsicher”) sollte der Speicher sein. Eine kommerzielle Lösung wie z.B. von QNAP kam für mich aufgrund der Kosten und der Einfachheit nicht in Frage – ich will Kosten sparen und es umständlich selbst bauen!

In diesem ersten Teil meiner “NAS im Eigenbau” – Artikelserie geht es also um die Auswahl der passenden Komponenten.

Folgende Anforderungen habe ich:

Eigenbau NAS: Die Anforderungen

Kein Eigenbau NAS: Das QNAP TS-419 PII

 

Festplatten

Ich möchte möglichst viel Speicher für möglichst wenig Geld. Ganz normale, rotierende 3,5″ Festplatten sollen es sein. Das Geld für einen Haufen SSDs habe ich im Moment leider nicht übrig. Im Optimalfall sollte das Mainboard Platz für mindestens vier Festplatten bieten, das Gehäuse natürlich auch. Mittlerweile bieten Festplatten im 5.000er-Drehzahlbereich auch akzeptable Transferraten, die das Gigabit-LAN voll auslasten. Unter dem Gesichtspunkt der Energieeffizienz und niedrigen Lautstärke soll diesen der Vorzug gegeben werden.

Anbindung

Gigabit-Switches sind schon seit längerem günstig zu erhalten (z.B. 8 Ports für 22,90 €), das NAS wird also per Gigabit-LAN ans Netzwerk angebunden. Die erwarteten Transferraten liegen bei 80-120 Mbyte/s, das entspricht etwa der Geschwindigkeit von guten USB 3.0-Festplatten und ist ungefähr 3x so viel wie USB 2.0 (etwa 33Mbyte/s).

Formfaktor

Das Eigenbau NAS soll auch möglichst wenig Platz verbrauchen. Es soll direkt mit den Fertiglösungen von QNAP konkurrieren können. Der Formfaktor ATX ist zu groß, es sollte µATX oder mini-ITX sein. Es wird sich später herausstellen, dass dies deutlich schwieriger zu erreichen ist als erwartet.

Lautstärke & Betrieb

Das Eigenbau NAS soll zwar nicht im 24h-Dauerbetrieb laufen, aber dennoch viele Stunden am Stück. Eine möglichst geringe Lautstärke ist wünschenswert. Die CPU sollte passiv gekühlt werden. Gehäuselüfter werden aufgrund der Anzahl an Festplatten wohl unverzichtbar sein, eine Lüftersteuerung zum Runterregeln der Drehzahl sollte also eingeplant werden.

Stromverbrauch & Effizienz

Bei den langen Laufzeiten ist ein möglichst geringer Stromverbrauch nötig – ungefähr 20-50 Watt. Problematisch ist, dass die meisten handelsüblichen Netzteile mindestens 350W an Leistung bieten und im niedrigen Bereich nicht sonderlich effizient laufen.Wir brauchen also ein Netzteil, das gerade genug Leistung für uns bietet und eine gute Effizienz hat. Ach ja, lüfterlos soll es auch sein. Hier zeigt sich später, wie schwierig es ist, das umzusetzen.

Eigenbau NAS: Die Komponenten

Viele der Anforderungen stehen in krassem Gegensatz zu einander: So wird es schwer, bei einem nicht-ATX-Formfaktor vier oder gar sechs Festplatten unterzubringen. Die Stromversorgung wird ebenfalls spannend. Schauen wir, wie ich die Probleme gelöst habe.

Das Gehäuse: Fractal Design Node 304 (94,90 €)

Das Node 304 von Fractal Design ist wie geschaffen für unser Selbstbau NAS. Es bietet mit seinem mini-ITX Formfaktor Platz für sechs 3,5″-Festplatten, die hängend und somit vibrationsentkoppelt eingebaut werden. Ein Strom-Verlängerungskabel erlaubt den internen Einbau von Netzteilen (wichtig! sie ragen also nicht hinten heraus), das habe ich in dieser Form noch nie gesehen. Das wird sich noch als äußerst praktisch erweisen.
Doch damit nicht genug: Es werden drei Lüfter der Silent Series R2 (1x 140mm, 2x 92mm) inklusive einer schlichten Lüftersteuerung und Staubfiltern mitgeliefert. Eine Seltenheit heutzutage, dass direkt alle Lüfterplätze mit mitgelieferten Lüftern ausgestattet sind. Da pocht das Nerdherz doch glatt höher!

Links: Amazon (94,90 €) | Mehr Infos auf der Herstellerwebseite

 

Alternativen: An dieser Stelle sollte man noch zwei weitere Gehäuse nennen, die ebenfalls großartig verarbeitet sind und eine gute Wahl darstellen. Zum einen das BitFenix Prodigy (74,34 Euro bei Amazon, in schwarz, weiß und orange erhältlich), das Platz für fünf 3,5″-Festplatten bietet, ebenfalls im mini-ITX Formfaktor. Meiner Meinung nach ist es tendenziell eher an Gamer gerichtet: Es können überlange Grafikkarten eingebaut werden und auf der Oberseite ist Platz für einen 240er-Radiator einer Wasserkühlung. Die “Flügel” oder Griffe ermöglichen einen leichten Transport durch Anheben mit zwei Händen. Ach ja, diese können auch abgeschraubt werden (siehe Forenbeitrag hier), die Aussparungen der Griffmontage oben und unten könnten dann aber als störend empfunden werden (siehe Bild).

Eine andere gute Alternative fürs Eigenbau NAS bietet der asiatische Gehäuse-Experte Lian Li. Mit dem PC-Q25 (114,85 Euro bei Amazon, in schwarz und Macbook-ähnlichem Silber erhältlich) bietet Lian Li ein exzellentes Gehäuse für ein NAS-System. Bis zu sieben 3,5″-Festplatten passen neben dem Mini-ITX oder Mini-DTX Mainboard hinein. Die geschlossene Front und das stark minimalistische Design sind neben der typisch guten Verarbeitung die Markenzeichen von Lian Li.

Das Mainboard: Asus E35M1-i (etwa 90,- €)

Asus E35M1-iZunächst der Hinweis: Das Mainboard wurde mittlerweile vom Nachfolger, dem E45M1-i (196,83 Euro bei Amazon), abgelöst. Ich habe mir noch das Vorgängermodell für 92 Euro bei eBay ergattern können, das würde ich euch auch empfehlen – die Zusatzfunktionen, die das E45 gegenüber dem E35 bietet, sind für unsere (NAS-) Zwecke nicht signifikant. Hier empfiehlt es sich, als preisbewusster Technikliebhaber die Technik der letzten Generation zu kaufen.

Das Mainboard bietet etwas, was ganz wenige mini-ITX Mainboards bieten, nämlich viele S-ATA-Anschlüsse. Ganze fünf Stück an der Zahl plus ein externer eSATA-Anschluss, der mit dem passenden Adapter auch nach innen verlegt werden kann. Folglich können wir 6 Festplatten anschließen, großartig! Dass es auch noch von Asus, eine meiner Lieblingsmarken, hergestellt wird, macht es umso perfekter für mich und das Eigenbau NAS.
Asus E35M1-iDie passive CPU-Kühlung (komplett lautlos!) rundet das Ganze ab. Super!
Wichtig: Das Zotac-Mainboard wird in zwei Ausführungen verkauft (“A” und “B”).  Nur die “B”-Ausführung hat das Netzteil dabei! Daher ist sie logischerweise etwas teurer. Nicht von falschen Schnäppchen verleiten lassen, dort ist oftmals kein Netzteil dabei.

Links: Das Nachfolgemodell bei Amazon (196,83 €) | Mehr Infos zum E35 und E45 auf der Herstellerwebseite

Alternative: Das Zotac AMD E350 inkl. Netzteil (175,23 Euro bei Amazon, Link zur Herstellerwebseite) hat den großen Vorteil, dass ein externes, lüfterloses Netzteil mitgeliefert wird, das auch beeindruckend effizient ist. Es bietet eine S-ATA-Schnittstelle weniger als das Board von Asus, nämlich 4 Stück intern und einmal eSATA extern. Passiv gekühlt ist es ebenfalls. Da ich Asus aus meiner Erfahrung bevorzuge und den einen zusätzlichen S-ATA-Anschluss mitnehmen möchte, habe ich mich fürs Asus entschieden – das Mainboard von Zotac ist aber eine gute Alternative.

Das Netzteil: Jetzt wird’s umständlich

picoPSU 150 XTFür das Eigenbau NAS brauchen wir ein lüfterloses Netzteil mit ausreichender Leistung, aber auch nicht zu viel Leistung, um noch effizient arbeiten zu können. Meine Recherche hat ergeben, dass man mit diesen Anforderungen um eine picoPSU-Wandlerplatine (42,95 Euro bei Amazon) nicht herumkommen wird. Diese bietet 150W Leistung bei einem sehr guten Wirkungsgrad. Man kann das gute Stück auch noch mit einer geringeren Leistung bestellen, ich habe aber aufgrund der potenziell hohen Anlaufströme der (bis zu) sechs Festplatten lieber das 150W statt dem 90W Modell gewählt.

Umständlich wird’s nun, da man nun eine Wandlerplatine besitzt, diese aber noch ein Netzteil benötigt. Ich habe mich für ein 150W-Netzteil von Morex für knapp 40 Euro entschieden, welches ich in einem Restbestand gekauft habe. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich das empfehlen kann, da mir beim Auspacken ein kleiner Lüfter auffiel (wer hätte gedacht dass in einem externen Netzteil ein Lüfter drin ist?!). Im Dauerbetrieb wird sich zeigen, ob der Lüfter anspringt und wie laut er sein wird.

Nichtsdestotrotz gibt es einen Haufen anderer Netzteile, die mit der picoPSU kompatibel sind – da dies den Rahmen des ohnehin schon über 1.000 Worten langen Artikels sprengen würde, empfehle ich die Lektüre der eingängigen Internetforen. Wenn ich Zeit und Muße finde, stelle ich hier nachträglich noch ein paar Netzteile vor.

Festplatten: Erst mal nur zwei (Hitachi Deskstar 5k3000 24/7, 2TB)

Hitachi DeskStar 5k3000 2TB

Es wird grundsätzlich empfohlen, bei einem NAS nicht alles auf eine Karte zu setzen, sprich: Verschiedene Festplatten einzubauen. Ich habe mir daher erst mal nur zwei Festplatten gekauft, nämlich die Hitachi Deskstar 5k3000 24/7 mit einer Kapazität von jeweils 2TB.

Bei dieser Festplatte ist der Preis pro Gigabyte mit etwa 0,04 € nahezu unschlagbar günstig, die 24/7 – Freigabe des Herstellers zum Dauerbetrieb macht es umso schmackhafter. Ich kenne momentan keine andere Festplatte, die zu diesem Preis Ähnliches bietet. Sollte ich demnächst noch eine ähnliche finden, werde ich mir zwei weitere kaufen.

Links: Amazon (90,69€)

Kleinkram: RAM, USB-Stick, Kabel

8GB RAM sollen es sein, da ich FreeNAS einsetzen möchte. Ehrlich gesagt habe ich dafür nicht allzu viel recherchiert, das 8GB-Kit von G-Skill (45,20 €) sollte mit seinen positiven Bewertungen und (vor allem) seinem günstigen Preis völlig ausreichen.

Dann brauchen wir noch einen USB-Stick, auf dem wir FreeNAS installieren können, da es sich nicht lohnt, dieses auf eine Festplatte zu installieren – die restliche Kapazität der Festplatte kann dann nämlich nicht genutzt werden. 4GB und USB 2.0 reichen völlig aus, z.B. Transcend JetFlash 600 mit 4GB für 7,60 Euro.

Um das Ganze noch ästhetisch unauffällig einzubauen, sollten wir einen der internen USB-Ports für den Stick nutzen. Dazu brauchen wir noch einen Adapter, der aus dem internen USB-Port einen externen Port macht. Ich hatte neulich einen guten bei Amazon gesehen, doch er scheint verschwunden zu sein. Ich füge ihn hier hinzu, wenn ich ihn finde.

So, dann brauchen wir nur noch ein paar S-ATA-Datenkabel und S-ATA-Stromkabel-Verlängerungen (Y-Kabel), dann haben wir alles fürs Eigenbau NAS zusammen.

Das war’s!

Im nächsten Teil geht es um den Zusammenbau. Viel Spaß!


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