Samsung 830 oder 840: Lieber die alte SSD nehmen?

Samsung 840 series von vorneIst die Samsung 840 wirklich besser als ihr Vorgänger 830? Bei Amazon und in den gängigen Internetforen von ComputerBase, Mindfactory und PC Games Hardware finden teils erbitterte Diskussionen darüber statt, ob die Samsung 840 wirklich eine Neuerung mit Vorteilen ist oder ob man nicht doch lieber zum alten, bewährten Modell 830 greifen sollte. Das Ergebnis dieser Diskussionen ist unterschiedlich: Viele raten zur bewährten Samsung 830, während einige das neuere 840er Modell bevorzugen oder gar zur 840 pro raten.

Samsung 840: Preis-Durchbruch für SSDs?

Direkt ins Auge fällt der niedrige Preis, wenn man die Samsung 840 betrachtet – bereits für 79,- Euro gibt’s die 120 GB – Version bei Amazon. Die Preise pro Gigabyte bei gängigen SSDs betragen etwa 80 Cent bis 1 Euro; so kann eine 480GB große Marken-SSD z.B. von Intel schon mal mit 444,- Euro zu Buche schlagen.

Samsung hat es nun geschafft, als erster Hersteller mithilfte der TLC – Technologie die Fertigungskosten zu senken und somit die Preise signifikant nach unten zu drücken – der Preis pro Gigabyte liegt beim größten Modell (500 GB) bei beeindruckenden 58 Cent, insgesamt etwa 280 Euro. Doch mit welchen Leistungseinbußen erkauft man sich diese Ersparnis? Dazu später mehr.

Kommen wir zunächst zu den Geschwindigkeiten.

Lese- / Schreibgeschwindigkeiten der Samsung 830 und 840

Wenn wir zunächst die vom Hersteller angegebenen Lese- und Schreibgeschwindigkeiten vergleichen, ergibt sich ein überraschendes Bild:

Modell
Lesen
Schreiben
NAND-Speichertyp
Samsung 830
(256 GB)
520 MB/s400 MB/sMLC
Samsung 840
(250 GB)
530 MB/s240 MB/sTLC
Samsung 840 pro
(250 GB)
540 MB/s520 MB/sMLC

Auf den ersten Blick sehr merkwürdig, die neuere Samsung 840 hat in der normalen (nicht-pro) Version eine deutlich niedrigere Schreibgeschwindigkeit als das Vorgängermodell! Wie ist das möglich? Dies hat damit zu tun, dass mit der Samsung 840 series eine Umstellung auf ein neues NAND-Speicherverfahren erfolgte, nämlich TLC.

Hat man mit Leistungseinbußen zu rechnen? Worum geht es da?

Samsung 840: Die TLC-Technologie

Ohne allzu groß auf die SSD-Speichertechnologie einzugehen, erkläre ich in Kürze den Unterschied der Samsung 840 zu den SSDs der Konkurrenz. (Wem das zu langweilig ist, kann gerne diesen Abschnitt überspringen.)

Hinweis: Es geht hier nur um die Samsung 840 in der nicht-pro Variante! Die Samsung 840 pro hat, wie das Vorgängermodell 830, MLC-Chips verbaut.

Bei SSDs werden die Daten in sogenannten MOS-FETs, die wiederum in NAND-Blöcken zusammengeschaltet werden, gespeichert. Hört sich chinesisch an, ist es aber gar nicht. Jeder MOS-FET kann verschiedene Spannungsniveaus halten und somit Daten speichern.

Bei SLC-Chips kann jeder MOS-FET genau 2 Spannungsniveaus halten, also 1 Bit speichern (Möglichkeiten: 0, 1)

SLC Spannungen

Bei MLC-Chips kann jeder MOS-FET 4 Spannungsniveaus halten, also 2 Bits speichern (00, 01, 10, 11)

MLC Spannungen

Bei TLC-Chips kann jeder MOS-FET 8 Spannungsniveaus halten, also 3 Bits speichern (000, 001, 010, 011, 100, 101, 110, 111)

TLC Spannungen

Was heißt das nun für den Anwender? In einfachen Worten:

  • Je mehr Spannungsniveaus ein MOS-FET halten können muss, desto geringer ist die Toleranz für Schwankungen der Spannung.
  • Je öfter ein MOS-FET beschrieben wird, desto schneller nutzt er sich ab und wird irgendwann defekt.

Somit ergeben sich die Vor- und Nachteile von TLC:

Nachteile von TLC

  • Geringere Lebensdauer der SSD
  • Es muss mehr freier Platz auf der SSD sein, damit diese schnell bleibt

Vorteile von TLC

  • Geringere Produktionskosten, da weniger NAND-Speicher benötigt

Geringere Lebensdauer der Samsung 840?

Stellt sich die Frage, ob die TLC-bedingte geringere Lebensdauer der Samsung 840 ins Gewicht fällt. Bisher gibt es nur Schätzungen, wie lange die SSD hält. So hat AnandTech berechnet, dass das 256 GB – Modell bei einem täglichen Schreibaufkommen von 10 Gigabyte die Festplatte 7 Jahre hält – das ist aber eine sehr konservative Schätzung, da ein “Schreib-Multiplikator” von 10 mit einberechnet wurde, d.h. es geht hier um ein effektives Schreibaufkommen von 100 Gigabyte pro Tag!

Zum einen wird ein normaler Anwender niemals ein solches Aufkommen erzeugen, zum anderen gibt es noch Faktoren, die in dieser Rechnung nicht berücksichtigt wurden. Einer davon ist DSP. Dieser Algorithmus ermöglicht es, NAND-Blöcke auszulesen, die schon etwas abgenutzt sind nicht mehr die Spannung zeigen, die sie von Werk aus hatten – eine schlaue Sache.

Doch hier gehe ich nicht zu sehr ins Detail, wer sich für die Fähigkeiten der SSD-Controller weiter interessiert, dem empfehle ich diese Webseite vom “ssd guy”.

Zusammenfassend kann man optimistisch bleiben und sagen, dass ein normaler Heimanwender wahrscheinlich nicht an die Grenze der Lebenserwartung der Samsung 840 stoßen wird. Doch letztlich können nur Langzeitdaten dies zeigen.

Lese- / Schreibgeschwindigkeit ausführlich

AnandTech hat einen ausführlichen Test entwickelt, der sowohl leichte als auch starke Alltagsbeanspruchung eine Festplatte simuliert.
Der Test für starke Beanspruchung simuliert Fotobearbeitung in Photoshop, HTML-Bearbeitung in Dreamweaver, Browsen im Internet, Spiele (StarCraft II und World of Warcraft) aber auch unspektakuläre Sachen wie z.B. das Installieren von Programmen und einen Virus-Scan, das Herunterladen von E-Mails und das Bearbeiten von Dokumenten. Um dem Ganzen am Schluss die Krone aufzusetzen wird mit Visual Studio 2008 einmal Chromium kompiliert.

Da dies der beste Test ist, den ich finden konnte, möchte ich euch die Ergebnisse nicht vorenthalten:

Samsung 830 und 840 im Test bei starker Beanspruchung

Bei starker Beanspruchung liegt die Samsung 840 pro einsam an der Spitze, gefolgt von der Samsung 830 und knapp dahinter die 840er. Hier zeigt sich leider die Geschwindigkeitseinbuße, die man mit der günstigeren TLC-Technologie in Kauf nimmt. Trotzdem ist die Samsung 840 nur unwesentlich langsamer als ihr Vorgängermodell. Ebenfalls interessant zu sehen ist, wie weit vorne die 840 pro liegt!

Der Test für leichte Beanspruchung wiederum zeigt andere Ergebnisse:

Samsung 830 und 840 im Test bei leichter Beanspruchung

Hier liegt die Samsung 840 vor der 830er. Die beiden neuen Modelle belegen in diesem Test deutlich die ersten beiden Plätze, während die Samsung 830 deutlich abgeschlagen im hinteren Mittelfeld liegt.

Zusammenfassend wird es wohl keinen spürbaren Unterschied zwischen der Samsung 840 und 830 geben, beide haben ihre Vor- und Nachteile. Die Samsung 840 pro hingegen ist im Moment die schnellste SSD, die es im erschwinglichen Heimanwenderbereich zu kaufen gibt. Gamer und professionelle Videobearbeiter dürften hier auf ihre Kosten kommen.

Samsung 840 series von der SeiteZusammenfassung & Preise

Die vehement vertrene Meinung, man müsse zum Vorgängermodell 830 greifen, kann ich bei diesen Ergebnissen nicht nachvollziehen. Ganz im Gegenteil.

Die Samsung 840 ist günstiger als ihr Vorgänger, bietet ähnliche Geschwindigkeiten und überzeugt mit einem geringeren Stromverbrauch. Auch die 4,5 / 5 Sterne bei den Amazon-Rezensionen sprechen eine klare Sprache. Beim aktuell unschlagbaren Preis von 79,- Euro für 120 GB bzw. 144,- Euro für 250 GB und 280,- Euro für 500 GB gibt es keine SSD, die in dieser Preisklasse eine ähnliche Leistung bietet.

Die Samsung 840 pro wiederum ist im Heimanwenderbereich momentan die schnellste SSD auf dem Markt. Für 109,95 Euro gibt es die 128 GB – Version, die größeren Versionen kosten entsprechend mehr (siehe Amazon). Mit vollen 5/5 Sternen hat sie ebenfalls überragende Rezensionen erhalten.

Weitere Gedanken

Wer plant, seinen alten PC oder sein altes Notebook mit dieser SSD aufzurüsten, sollte bedenken: Die meisten älteren PCs haben noch S-ATA II verbaut, diese Festplatte unterstützt aber schon S-ATA III. Da die Festplatte abwärtskompatibel zu allen Standards ist, ist das kein Problem, doch durch die maximale Geschwindigkeit von 3Gbit/s (= 384 Mbyte/s) bei S-ATA II wird man nicht an die Grenze der Schreibgeschwindigkeit stoßen.

Bei älteren PCs sollte man also definitiv nicht zur 840 pro greifen, sondern zur 840 – den Geschwindigkeitsunterschied wird man nicht nutzen können!

 

Für Interessierte empfehle ich noch die ausführlichen Rezensionen (auf Englisch) von AnandTech und Toms Hardware. Wer es lieber auf deutsch, oberflächlich und leicht verdaulich haben möchte, kann sich den kurzen GameStar-Test anschauen.

Bildquelle: AnandTech


Hat dir der Artikel gefallen? Ich freue mich, wenn du es bei diesen mysteriösen sozialen Netzwerken weitersagst: